Nachdem ich im letzten Beitrag schon probiert habe, am Beispiel des Kreuzworträtsel die Problematik der passenden und richtigen Lösung zu verdeutlichen, möchte ich nun mit Hilfe des Sudoku ein etwas einfacheres Thema skizzieren: Modellierungskonventionen für die Prozessmodellierung.
Das Sudoku-Gitter als Prozessarchitektur und Modellvorgabe
Für das Sudoku gibt es vordefinierte Spielregeln. In der Regel ist dies, ein 9×9-Gitter mit den Ziffern 1 bis 9 so zu füllen, dass jede Ziffer in jeder Spalte, in jeder Zeile und in jedem Block (3×3-Unterquadrat) genau einmal vorkommt. Für die Prozessmodellierung sind diese Spielregeln die Modellierungskonventionen.
Das Gitter des Sudoku ist die „Zeichenfläche“ des Prozessmodells. Beim Sudoku wird diese i.d.R. auf 9×9 Feldern eingegrenzt. Für die Prozessmodellierung gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Feld zu begrenzen:
– Anzahl Seiten, z.B. das Modell muss auf eine DIN A4 Seite passen
– Anzahl Objekte, z.B. maximal 20 Tätigkeiten pro Modell
– oder auch gar keine Vorgaben; dies kann allerdings dazu führen, dass Modelle überdimensioniert sind und unnötig kompliziert werden
Das Gitter kann auch als Prozessarchitektur verstanden werden. In jedes der Gitter kommt eine Zahl, abhängig von den anderen Zahlen in Zeile, Spalte und Block. In der Prozessmodellierung wird über die Prozessarchitektur u.a. der Aufbau der Prozesslandschaft vorgegeben. Ein Prozessmodell kann nicht beliebig irgendwo modelliert werden, sondern ist z.B. abhängig von Ebenen und Schnittstellen zu platzieren.
Die Sudoku-Zahlen als Modellierungsobjekte und Repository
Die Zahlen von 1 bis 9 können beim Sudoku verwendet werden, um das Spielfeld zu füllen. Dies sind bei der Prozessmodellierung die Objekte bzw. Symbole. In den Modellierungskonventionen gibt man vor, welche davon genutzt werden können. Für die Modellierung stehen dann auch nur diese zur Verfügung (Die gewählte Notation gibt dabei natürlich den Rahmen vor). Aus einem andern Blickwinkel könnte man die Zahlen 1-9 aber auch als Stammdaten oder Repository bezeichnen. Man darf Zahlen verwenden, aber nur die von 1 bis 9. In den Modellierungskonventionen wiederum könnte man für IT-Systeme festlegen, dass nur vorgegebene Systeme genutzt werden dürfen (z.B. SAP, Excel, Zeiterfassung). Vorgaben für Stammdaten sind vor allem sinnvoll, um den Modellierern Orientierungshilfen zu geben und geleichzeitig die „Eigenkreationen“ einzudämmen.
Sudoku-Spielregeln als Syntax
Eine weitere Konvention des Sudoku ist es, dass pro Zeile, Spalte und Block jede Zahl nur ein einziges Mal vorkommen darf. Übertragen auf die Modellierungskonventionen kann man dies als die Syntax der Modellierung sehen, also wie, wo und wann die einzelnen Objekte für sich oder in Kombination mit anderen Objekten verwendet werden dürfen. Viele solcher Syntaxregeln sind ebenfalls bereits durch die gewählte Notation vorgegeben. Beispiel BPMN: Informationsflüsse dürfen nur zwischen den Pools, aber nicht innerhalb der Pools stattfinden. Auch gängige Tools bieten schon fertige Syntaxregeln, die es einzuhalten gibt. Neben der Syntax lassen sich aber auch eigene Vorgaben festlegen, die die Verwendung der Objekte definieren. So lässt sich z.B. für die Modellierung einer EPK festhalten, dass an jede Tätigkeit eine verantwortliche Rolle oder Person definiert werden muss
Weiterhin gibt es zu vielen Sudoku Rätseln die Lösung gleich mit. Für die Prozessmodellierung ist das die Qualitätssicherung der Modelle. Diese wird über einen definierten Workflow, gegebenenfalls auch Tool-unterstützt, durchgeführt und sollte ebenfalls in den Konventionen beschrieben sein.
Der Weg zur Lösung kann frei gewählt werden
Was es aber normalerweise bei einem Sudoku nicht gibt (bestimmt aber in separater Literatur) sind Methoden und Vorgehensweisen. Hier steht nirgends geschrieben, wie das Sudoku zu lösen ist oder wie man vorgehen sollte. Dies steht jedem Rätselfreund frei und er kann seine eigene beste Methode finden. Auch für die Modellierungskonventionen ist nicht zu empfehlen, das „Wie“ vorzugeben. Jeder Modellierer sollte seinen eigenen Weg finden, ohne zu sehr eingeschränkt zu werden. Mögliche Tipps gehören hier in ein Methodenhandbuch (z.B.: immer erst den Happy-Path modellieren). Da kann aber jeder frei entscheiden, ob und wie er diese Tipps in seine Arbeit integriert.
Zusammenfassung
Inhalte von Modellierungskonventionen können mit Spielregeln und Vorgaben des Sudoku verglichen werden. Zu den wichtigen Konventionen zählen unter anderem:
– Prozessarchitektur und definierte Prozesslandschaft
– Notation, Syntax, Vorgabe von Objekten und Symbolen
– Verwendungsregeln für Objekte, Vorgabe von Stammdaten
– Beschreibung qualitätssichernder Maßnahmen
Die Anwendung der Konventionen sollte man aber auf jeden Fall den Menschen überlassen. Denn der steht auch bei der Anwendung der Prozesse immer im Vordergrund. Prinzip: „Mensch vor Syntax“.
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