In seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ beschreibt Autor Yuval Noah Harari eindrucksvoll die Entwicklung der Menschen über die verschiedenen Zeitalter. Besonders spannend fand ich dabei, wie er den Sprung vom Jäger zum Sammler zum Bauern beschrieben hat. Ich glaube daraus lässt sich einiges auf heutzutage übertragen, und auf die Art und Weise, was bei der Verbesserung von Prozessen passiert bzw. passieren kann.

Vom Jäger und Sammler zum Bauern

Meine eigene kurze Zusammenfassung: Die Jäger und Sammler waren kleine Gruppen von Menschen, die vor Jahrtausenden die Erde besiedelt haben. Ihren „Lebensunterhalt“ verdienten diese Menschen, indem sie essbare Früchte, Wurzeln usw. sammelten, und ab und an mal ein Mamut erlegten. Das alles war kein Fulltime-Job. Vielmehr sammelten unsere Vorfahren meist so viel, wie sie gerade brauchten. Mamut aus der Tiefkühltruhe gab es da nicht. Das hat auch alles so weit funktioniert.

Irgendwann hat dann irgendwo irgendjemand entdeckt, dass ja Weizen scheinbar sehr gut zum Essen taugt. Ackerbau oder große Weizenflächen, so wie wir sie heute kennen, da war noch lange nicht daran zu denken. Aber mit den Jahren hat sich das alles verbreitet, weil schnell klar wurde: durch Weizen kann man sehr viel mehr Menschen ernähren als vom Jagen und Sammeln, was nur für kleine Gruppen gut funktioniert hat. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf. Plötzlich breitete sich der Ackerbau aus, irgendwann waren die Jäger und Sammler von der Bildfläche verschwunden.

Der größte Betrug der Geschichte

So nennt der Autor, was damals passiert ist. Denn es passierte weitaus mehr, als dass man sich nur dem Ackerbau widmete. Der Mensch veränderte sich. Hat man sich vorher recht ausgewogen und verschiedenartig ernährt, bestand plötzlich alles nur aus Weizen. Das was nicht gesund. Zudem war schnell klar: Weizenanbau ist verdammt viel Arbeit. Man braucht den richtigen Boden, muss den Weizen und Boden pflegen. Wo der Jäger vorher nur ab und an auf der Arbeit war, musste der Bauer nun den Großteil des Tages ran, damit es was wird mit der Ernte. Die Folge: Krummer Buckel und viele körperliche Leiden. Der menschliche Körper war nicht für das lange Arbeiten gemacht. Gar nicht anzusprechen brauch man Naturkatastrophen, die menschliche Schicksale in Minuten und Stunden ruinieren konnte. Und noch was Erstaunliches ist passiert: je mehr Weizen die Bauern produzierten, desto mehr vermehrten sich die Menschen. Sprich, die Anzahl der Bewohner ist angestiegen. Dies wiederum hat dazu geführt, dass auch mehr Menschen Hunger hatten, also mehr Weizen produziert werden musste. Die Arbeiter mussten also noch mehr arbeiten…

Was ist schief gelaufen?

Aus meiner Perspektive ist das einfach zu beantworten: die Menschen haben sich durch den Quick-Win des Weizenanbaus blenden lassen und nicht alle Konsequenzen betrachtet, die diese Veränderungen mit sich bringen. Sie waren quasi mit dem Spatzen in der Hand zufrieden, haben nicht über den Tellerrand hinausgeblickt. Und vor allem waren sie nicht auf neue Herausforderungen vorbereitet, haben ihre Situation nicht hinterfragt. Mal abgesehen von dem typischen Phänomen, dass einer irgendetwas tut, und alle anderen in die gleiche Richtung laufen. „Wenn alle das machen, wird das schon richtig sein“ gab es also schon in der Urzeit.

Und heute? Wie ist das übertragbar?

Heute ist es doch nicht viel anders. Irgendjemand entdeckt einen vermeintlichen Trend, erzielt einen kurzfristigen Erfolg, und plötzlich entsteht ein Hype, dem alle hinterherrennen. In Unternehmen betreffen diese Veränderungen meist dann nur Teile der gesamten Geschäftsabläufe. Die Schnittstellen und Auswirkungen auf andere Bereiche, ob kurz- oder langfristig, wird meist wenig beachtet.

Ein anderes Thema ist, dass diese Entscheidungen so getroffen werden, dass sie der eigenen Situation im aktuellen Moment dienen, aber nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind. Im Gegensatz zu früher kommen solche Veränderungen dann nicht mehr schleichend, sondern werden als Big Bang praktiziert. Also heute noch Waldbeeren und Mammutsteak, morgen nur noch Haferbrei.

Man darf jetzt aber auch nicht alles so negativ sehen. Selbstverständlich gibt es auch positive Ableitungen aus dieser Entwicklung. Zum Beispiel die Entwicklung der ganzen Werkzeuge und Arbeitsmethoden, um noch schneller und noch besser zu gutem Weizen zu kommen. Was, wie berichtet, ja aber auch nur zu noch mehr Arbeit geführt hat.

Fazit

In den Unternehmen von heute gibt es ständig Verbesserungen und Optimierungen. Viele davon finden Ihren Ursprung in bestimmten Trends, die jeder macht. Solche Veränderungen sollen zwar Verbesserungen erzielen und das (Arbeits)Leben einfacher machen, berücksichtigen aber nicht immer alle Auswirkungen. Läufts dumm, ist am Ende der Prozess vielleicht effizienter, die Arbeitslast aber sogar gestiegen. Deswegen bleibt nur zu empfehlen: Nicht auf jeden Zug aufspringen und Veränderungen immer gesamtheitlich mit allen denkbaren Auswirkungen bewerten.

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